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 | Pleißemühlgraben 1875 an der Nonnemühle - Vergrößern - |
Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt Leipzig wurde bereits im 15. Jahrhundert maßgeblich durch die Flüsse und Kanäle der Stadt geprägt. Eine Vielzahl von Mühlen wie z.B. die Nonnenmühle oder die Thomasmühle haben die Wasserkraft genutzt. Aus diesem Grund wurde zum Beispiel bereits im Mittelalter auch der Handel mit Getreideprodukten sprunghaft belebt.
Ende des 19. Jahrhunderts zählte die Stadt Leipzig auf Grund des industriellen Aufschwungs zu den damals fünftgrößten Städten Deutschlands. Zum beruflichen Ausgleich wurden die Gewässer im Stadtgebiet zunehmend auch als Erholungsmöglichkeit genutzt. Durch die Vielfalt an Gewässern sprach bereits Johann Wolfgang Goethe vom Pleißen-Athen.
Schon 1835 wurden 4 öffentliche Flussbadeplätze eingerichtet, die damals noch unter der Aufsicht der Fischer standen. Das heute noch existierende Schreberbad war im Jahr 1866 bereits als Badeanstalt ausgewiesen. Danach folgten Militärbadeanstalten, Pferdeschwemmen und sogar Pumpwerke für die Wasserspiele der anliegenden Stadtgärten.
Mit dem Bau des Palmengartenwehres Ende des 20. Jahrhunderts wurde nicht nur ein weiteres Flussbad am Elsterbecken in Betrieb genommen, sondern auch Ruderer und Paddler nutzen die nunmehr entstandenen Wasserflächen, die durch die Elster-Lupperegulierung entstanden sind, zur Ausübung des Wassersportes.
 | Motorboot u. Bootsbauerei in Leipzig.Schleussig - Vergrößern - |
So entstanden an der Weißen Elster und Pleiße eine Reihe von Rudervereinen und Bootshäusern, die nicht nur innerhalb der Stadt errichtet wurden. Auch an der südwestlichen und nördlichen Peripherie von Leipzig wurden sie errichtet.
Bis in die 50er Jahre dienten Pleiße, Weiße Elster und ihre zugehörigen Mühlgräben als Ausflugsorte der Bürger und Gäste der Stadt.
Nach dem 2. Weltkrieg erreichte der Braunkohletagebau im mitteldeutschen Bergbaurevier riesige Ausmaße, da Braunkohle für die ehemalige DDR der wichtigste Energieträger war. Von 1934 bis 1963 stieg die Kohleförderung des mittelsächsischen Raumes von 91,1 auf 145,5 Mio. Tonnen an.
Förderung und Veredlung des Rohstoffes führten zu massiven Umwelt- und Landschaftskonflikten. Durch die mehrere Quadratkilometer großen Braunkohletagebaue wurden Flüsse umgelegt und ganze Landstriche überbaggert. Die Leipziger Hauptflüsse (Weiße Elster und Pleiße) wurden durch die Karbonindustrie zunehmend für Kühl- und Prozesskreisläufe genutzt. Große Mengen, praktisch ungeklärten Abwassers wurden eingeleitet, so dass die Gewässerqualität der Leipziger Flüsse rapide abnahm und sie ökologisch verödeten.
Die damit einhergehenden Geruchsbelästigen führten zu massiven Beschwerden aus der Bevölkerung, so dass man ab den 50er Jahren damit begonnen hat, die Mühlgräben von Pleiße und Weiße Elster zu überwölben. Zusätzlich zur Abwasserfracht durch die Industrie wurden Mischwässer aus dem städtischen Kanalnetz in die Vorfluter eingebunden.
Trotz Verbannung der Wasserläufe aus dem Stadtbild wurde die Symbolik der Flussläufe am Leben gehalten. Viele Bürger und Bürgerinnen, die sich zu DDR-Zeiten für die Reinhaltung und Wiederöffnung der Flüsse einsetzten haben sich mit dem Zustand nicht abgefunden.
Nach den politischen Veränderungen in unserem Land wurden zusätzliche Aktivitäten bezüglich der unter das Erdreich verbannten Flüsse gestartet. Bürger und Bürgerinnen markierten auf dem Straßenpflaster den Verlauf der bis dato unter der Erde fließenden Flussläufe. Es gab Ausstellungen zum Thema, Pleißegedenkmärsche und Tagesordnungen der Stadtverwaltung. Anfang der 90er Jahre traf der Stadtrat eine Grundsatzentscheidung, wonach die Wiedereröffnung der Leipziger Mühlgräben von Pleiße und Weiße Elster festgelegt wurde.
Durch die spürbare Verbesserung der Wasserqualität wurden die ehrgeizigen Ziele untermauert, so dass nicht nur die Wasserläufe wieder ans Licht, sondern durch sie auch das Umfeld der Stadt Leipzig mit seinen nunmehr vielfältigen Gewässern angebunden wird.
Weitere Informationen zum Thema:
Leipziger Fluss-Geschichte |